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Das Verhütungsmuseum wird 10

Weltweit einzigartiges Museum. Starke Nachfrage erfordert nun Vergrößerung. Und am Donnerstag den 1.Juni wird gefeiert.

Wien  - Das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch -kurz MUVS – ist weltweit einzigartig. Seit nunmehr 10 Jahren dokumentiert und vermittelt es den mitunter verzweifelten Kampf für d Selbstbestimmung der eigenen Fruchtbarkeit, denn unter „natürlichen“ Bedingungen haben Frauen etwa 15 Schwangerschaften. Verhütung und sicherer Abbruch ungewollter Schwangerschaften sind daher eine wesentliche familienpolitische Maßnahme und auch Voraussetzung für eine selbstbestimmte Sexualität und ein selbstbestimmtes Leben.

Lebensgefährliche Verhütung
Was haben Cola und eine Zitrone gemeinsam? Sie sind Ausdruck größter Verzweiflung. Denn in ihrer Not greifen Frauen seit Jahrtausenden zu kreativen, manchmal sehr gefährlichen und für uns heute unvorstellbaren Methoden, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden oder zu beenden. Das MUVS stellt daher Stricknadeln zum Schwangerschaftsabbruch ebenso aus wie Fischblasen-Kondome aus der Zeit der alten Ägypter bis zu den vielfältigen Spiralen und Pillen von heute.

MUVS macht Sexualpolitik
Begonnen hat alles in einer alten Schuhschachtel. Darin sammelte DDr. Christian Fiala die ersten Objekte des späteren Museums. Aus der Schuhschachtel ist inzwischen eine auf 120 m2 präsentierte multimediale Sammlung von rund 2.100 Objekten, 1.000 Büchern und 600 Fachartikeln geworden. Das Museum hat sich heute zu einem hochmodernen sexualpädagogischen Aufklärungsprojekt entwickelt. Es scheut sich auch nicht, brennende Fragen rund um Verhütung und Schwangerschaftsabbruch aufzugreifen und löst immer wieder öffentliche Kontroversen aus. Denn der Kampf um die Kontrolle der Sexualität und Fruchtbarkeit ist noch lange nicht beendet: Daher betreibt das MUVS nicht nur Verhütungsaufklärung und forscht historisch. Es wird immer wieder auch politisch aktiv. Beispielsweise hat Johanna Dohnal ihr letztes Interview im Rahmen eines Pressegesprächs im MUVS gegeben. Und nachdem sich das MUVS erfolgreich für die rezeptfreie Zulassung der Pille danach eingesetzt hat, gilt das Engagement heute der kostenfreien Verhütung und dem Abbruch auf Krankenschein.

Verhütungsaufklärung für junge Menschen
Das MUVS verbindet spannendes kulturhistorisches Storytelling mit aktuellem Wissen über Verhütung und Abbruch. So schafft es bei BesucherInnen das notwendige Bewusstsein für die Anwendung wirksamer Verhütung – und ersetzt so mitunter die fehlende Aufklärung zu Hause oder in der Schule. Einzelpersonen, Schulklassen, Fachleute aber auch Besuchergruppen kommen in das MUVS als willkommenen Ort der Auseinandersetzung mit Sexualität, politischer Bildung und gesellschaftlichen Fragen. „In rund 1.700 Führungen konnten wir Informationen zu Sexualität und Verhütung an 45.000 mehrheitlich jugendliche BesucherInnen vermitteln, was mit großer Begeisterung aufgenommen wurde“, zieht Museumsgründer Fiala Resümee.

Internationales Interesse
Das Engagement für eine selbstbestimmte Sexualität trifft in einem traditionell katholischen Land nicht nur auf Gegenliebe. Das MUVS war seit seiner Eröffnung im März 2007 immer wieder mit Skepsis, Misstrauen, Zweifeln und starken politischen Widerständen konfrontiert. Ganz im Gegensatz zu den Reaktionen von BesucherInnen und der Fachwelt, die großes Interesse zeigen – das beweisen auch die vielen Zugriffe auf die digitale Sammlung des Museums und die zahlreichen Anfragen von verwandten Institutionen und ForscherInnen. Anhaltend groß ist auch das Medieninteresse – national wie international.

Museumspreise und Vorbild in der Fachwelt
Große Anerkennung kommt auch aus der Museumsfachwelt. Für seine kulturhistorische Expertise und herausragende Narration wurde das MUVS mit renommierten Preisen ausgezeichnet: „Österreichisches Museumsgütesiegel“, Gütesiegel „The Best in Heritage“ (European Heritage Association) und „Kenneth Hudson Award“ (European Museum Forum). Auf der internationalen Museumsfachmesse Exponatec wurde das Museum als Vorbild präsentiert. Und die European Society of Contraception and Reproductive Health (ESC) unterstützte die Forschung und Dokumentation über den österreichischen Gynäkologen Hermann Knaus (1892-1970), was die Publikation der ersten Biografie über diesen weltweit bekannten Österreicher ermöglichte. Starke Nachfrage und ständige Erweiterung der Exponate bringen das MUVS aktuell an die Kapazitätsgrenzen, so dass ein neuer Standort gesucht wird. Aktuell wird die Plattform „Freunde des MUVS“ vorbereitet. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen und die Zukunft der Sexualaufklärung mit dem neuen, interaktiven und multimedialen Konzept des MUVS mitzugestalten.

 

www.muvs.org

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